Grundhaltung & Arbeitsweise
Haltung
Veränderung wird möglich, wenn Menschen sich verstanden fühlen – und den Mut finden, sich ehrlich mit sich selbst auseinanderzusetzen.
In meiner Arbeit steht die Beziehung im Mittelpunkt – zu anderen und zu sich selbst. Gewalt zerstört Beziehungen und hält Menschen oft in Kreisläufen von Ohnmacht, Schuld und innerer Spannung fest.
Konfrontation ist für mich kein Mittel, Menschen unter Druck zu setzen oder zu beschämen. Sie schafft die Möglichkeit, sich den eigenen Gefühlen, Mustern, Grenzen, Bedürfnissen und Handlungsmöglichkeiten ehrlich zuzuwenden.
Damit das gelingen kann, braucht Konfrontation Kontakt, Respekt und eine tragfähige Arbeitsbeziehung. Erst wenn Menschen sich gesehen und ernst genommen fühlen, können auch unbequeme Erkenntnisse berühren, statt Abwehr auszulösen.
Verantwortung bedeutet, das eigene Handeln einzuordnen, die Folgen anzuerkennen und daraus konkrete Veränderungen im Alltag abzuleiten. Sie zeigt sich nicht in Einsicht allein, sondern im veränderten Handeln.
Ich verstehe Beratung als einen Raum, in dem Verstehen, Verantwortung und Entwicklung möglich werden. Veränderung lässt sich nicht verordnen. Sie entsteht dort, wo Menschen sich sicher genug fühlen, ehrlich hinzuschauen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Prävention ist dabei kein isoliertes Ziel, sondern die Folge nachhaltiger Veränderung.
Arbeitsweise
Die Begleitung orientiert sich an den bewährten Grundlagen des Hamburger Modells (GHM)® und wird durch weitere fachlich fundierte Ansätze ergänzt. Ratsuchende werden aktiv in den Prozess einbezogen.
Im Zentrum steht die fachliche Einordnung von Gewalt- und Eskalationsdynamiken – auch im Zusammenspiel der beteiligten Systeme – sowie die Entwicklung konkreter Handlungsmöglichkeiten für den Alltag.
Verständnis von Gewalt und Aggression
Aggression ist nicht grundsätzlich problematisch. Sie ist eine Form von Handlungs- und Lebensenergie, die Menschen ermöglicht, auf andere zuzugehen, Interessen zu vertreten, Grenzen zu setzen und in Kontakt zu treten.
Gewalt und Aggression werden dabei nicht gleichgesetzt. Aggression sucht die Begegnung und die Auseinandersetzung. Gewalt hingegen zerstört Kontakt und überschreitet Grenzen.
Ziel der Beratung ist deshalb nicht die Vermeidung von Aggression, sondern die Entwicklung eines konstruktiven Umgangs damit. Menschen sollen befähigt werden, Konflikte offen auszutragen, Verantwortung zu übernehmen, in Kontakt und handlungsfähig zu bleiben, ohne auf Gewalt zurückzugreifen.
Gefühle wie Ärger, Angst oder Scham sind dabei nicht das Problem, sondern wichtige Hinweise auf innere Zustände. Entscheidend ist der Umgang damit.
„Aggression sucht Kontakt. Gewalt zerstört Kontakt.“
→ Gewalt- und Verantwortungskreislauf
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Geschlecht & Sozialisation
Menschen entwickeln ihre Vorstellungen davon, wie sie sein und handeln sollen, nicht unabhängig von ihrem Umfeld. Familie, Schule, Peergroup, Kultur und gesellschaftliche Rollenbilder prägen mit, welche Verhaltensweisen Anerkennung finden, welche Gefühle gezeigt werden dürfen und was als Stärke oder Schwäche verstanden wird.
Gerade bei Jungen und jungen Männern können Vorstellungen von Männlichkeit eine wichtige Rolle spielen. Sich behaupten, Kontrolle behalten, sich nichts gefallen lassen oder Verletzlichkeit nicht zeigen zu dürfen, kann Orientierung und Zugehörigkeit vermitteln – zugleich aber den eigenen Handlungsspielraum einengen. Gefühle wie Angst, Scham, Kränkung oder Ohnmacht verschwinden dadurch nicht. Sie können sich jedoch eher in Rückzug, Abwehr, Ärger oder aggressivem Verhalten zeigen.
Geschlechtsspezifische Sozialisation ist für mich deshalb eine mögliche Perspektive, Verhalten besser zu verstehen – keine Erklärung für Gewalt und keine Zuschreibung.
In der Beratung geht es darum, solche Prägungen wahrzunehmen und den Handlungsspielraum zu erweitern. Stärke kann dann auch bedeuten, Gefühle wahrzunehmen, Grenzen zu setzen, Verantwortung zu übernehmen, Hilfe anzunehmen und in schwierigen Situationen in Kontakt zu bleiben.
„Nicht weniger männlich – sondern mehr Möglichkeiten, Mann zu sein.“
Präsenz statt Kontrolle
In eskalierenden Situationen entsteht häufig ein Spannungsfeld zwischen Kontrolle, Rückzug und Resignation. Präsenz eröffnet eine andere Möglichkeit: handlungsfähig und in Beziehung zu bleiben, sich klar zu positionieren und Verantwortung nicht abzugeben – ohne den anderen kontrollieren zu müssen.
„Ich verzichte auf Kontrolle, nicht auf Einfluss.“
Präsenz kann dabei unterschiedliche Formen annehmen: im Dableiben und Aufsuchen, im bewussten Aufschieben einer Reaktion, durch Beziehung und klare Positionierung oder durch den Einbezug weiterer Bezugspersonen und Unterstützer:innen.
→ Präsenzinterventionen – vom Sit-in zur Landkarte der Präsenz [PDF]
Anerkennung
Das Institut Gewaltberatung® Prävention ist eine vom Schweizerischen Fachverband für Gewaltprävention (Solvio) anerkannte Institution für die Beratungen von Menschen mit gewaltausübendem Verhalten.
Diese Anerkennung bestätigt die fachliche Ausrichtung, die methodische Qualität sowie die verbindliche Haltung in der Arbeit mit Gewalt, Eskalation und Grenzverletzungen.
Grundlagen der Arbeit – Hamburger Modell (GHM)®
Das Arbeitskonzept bildet die Grundlage für meine Beratungs-, Präventions- und Bildungsarbeit mit Einzelpersonen, Familien, Gruppen, Organisationen und Fachstellen.
Die Arbeit orientiert sich an den bewährten Grundlagen des Hamburger Modells (GHM)® und wird durch weitere fachlich fundierte Ansätze ergänzt. Im Zentrum steht nicht die Bewertung von Personen, sondern das Verstehen und Verändern von Eskalations- und Gewaltdynamiken.
Zentrale Themen der Gewaltberatung (GHM)®
- Entwicklung von Empathie und einer klar ablehnenden Haltung zur Gewalt
- Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln und Denken
- Verstehen des Gewaltkreislaufs aus Opfer- und Täter:innenperspektive
- Wahrnehmung eigener Grenzen Möglichkeiten und innerer Zustände
- Wahrnehmen und Respektieren der Grenzen anderer
- Vertrauensaufbau und – wo möglich – Formen der Wiedergutmachung
- Gestaltung tragfähiger Beziehungen und Kontakt
- Entwicklung von Strategien zur Konflikt- und Krisenbewältigung
Was das konkret bedeutet
Für Ratsuchende, Teilnehmende und beteiligte Fachpersonen bedeutet dieses Arbeitskonzept vor allem Orientierung und Klarheit.
Eskalation und Gewalt werden nicht bagatellisiert, aber auch nicht vorschnell moralisch bewertet oder individualisiert. Stattdessen werden sie als Ausdruck von Überforderung, ungelösten Konflikten und festgefahrenen Dynamiken verstanden.
In Beratung, Prävention und Bildungssettings geht es darum, eigenes Verhalten nachvollziehbar zu machen, Verantwortung zu übernehmen und neue Handlungsspielräume zu entwickeln. Persönliche Grenzen werden ernst genommen – ebenso wie die Verantwortung für das eigene Handeln.
Veränderung geschieht schrittweise – in individuellen Prozessen ebenso wie in Gruppen oder Organisationen. Ziel ist es, Eskalationen zu unterbrechen, Sicherheit herzustellen und Beziehung wieder möglich zu machen – zu anderen und zu sich selbst. Wo eine Trennung notwendig wird, geht es darum, diese respektvoll und verantwortungsvoll zu gestalten, statt in Abbruch oder weitere Eskalation zu geraten.
Unterstützung in akuten Situationen
In Momenten akuter Überforderung oder wenn eine Situation zu eskalieren droht, ist es oft entscheidend, sofort mit jemandem sprechen zu können.
Dafür steht in der Schweiz rund um die Uhr die Opferhilfe-Hotline 142 zur Verfügung.
Sie bietet eine unmittelbare, anonyme Unterstützung – auch dann, wenn man merkt, dass man selbst an eine Grenze kommt oder unsicher ist, wie man reagieren soll.
